Grand Tour

Aufzeichnungen eines Bildungsreisenden

04. Februar 2015
Singapur

Sin­ga­pur gilt als kul­tu­rell viel­fäl­tigste und dich­teste Metro­pole der Welt. Die tami­li­sche Gemeinde begeht hier, zwi­schen bud­dhis­ti­schen und tao­is­ti­schen Tem­peln, Moscheen und Kir­chen, aber auch zwi­schen Kolo­ni­al­bau­ten und Wol­ken­krat­zern jedes Jahr, wenn im zehn­ten Monat der Voll­mond auf­geht ihr Haupt­fest Thai­pu­sam. Dann durch­boh­ren sich die Anhän­ger Murugans ihre Haut mit Spie­ßen, durch­ste­chen ihre Zun­gen und Wan­gen, befes­ti­gen daran schwere Las­ten und zie­hen in einer lan­gen Pro­zes­sion durch die Stra­ßen­schluch­ten, um ihrem Gott Opfer darzubringen.

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03. März 2014
Rocinha

Süd­ame­ri­kas größte Favela wan­delt sich: Am Vor­abend der Fußball-Weltmeisterschaft dringt die Mili­tär­po­li­zei in Rio de Janei­ros berüch­tig­tes Armen­vier­tel Rocinha vor und sorgt dabei für mehr An– als Ent­span­nung. Denn die Dro­gen­ban­den sind zwar ver­trie­ben, doch die Bewoh­ner fürch­ten sich nun umso mehr vor den staat­li­chen Schock­trup­pen und ihrem miß­bräuch­li­chen Macht­de­mons­tra­tio­nen. Zum All­tag in der Favela gehö­ren jedoch nicht nur Will­kür und Schi­ka­nen: Die Mili­tär­po­li­zei regiert hier mit kör­per­li­cher Gewalt, die bereits in Ent­füh­run­gen, Fol­ter und sogar Mord gipfelte.

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03. März 2014
St. Ulrich

Auf den Glet­schern und Auen zu fuße der Dolo­mi­ten kann man ein illus­tres Schau­spiel beob­ach­ten – wenn man denn Glück hat: Wer genau hin­schaut, kann eine Ver­zer­rung in der Land­schaft, einen voll­ver­spie­gel­ten, manns­gro­ßen Wür­fel ent­de­cken, der dort wie das mono­li­thi­sche Relikt einer geheim­nis­vol­len Kul­tur steht. Seine Her­kunft ist frei­lich etwas pro­fa­ner: Er beher­bergt eine Camera obscura, die trotz ihres ein­fa­chen Prin­zips mit kom­pli­zier­ter Tech­nik aus­ge­stat­tet ist, um meter­große Foto­gra­fien ver­schwin­den­der Land­schaf­ten her­zu­stel­len. Chris­tian Mar­ti­nelli hat den Kubus gebaut; ich war für einen Tag sein Assistent.

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